Kurzübersicht der behandelten Themen:
Nikkor Non-AI-Nikkore AI-Nikkore AI-S-Nikkore E-Nikkore AI-P-Nikkore AF-Nikkore (AF-) D-Nikkore AF-G-Nikkore AF-I-Nikkore AF-S-Nikkore AF-I-Teleconverter VR-Nikkore DC-Nikkore Micro-Nikkore PC-Nikkore Reflex-Nikkore ED ASP IF RF CRC NIC SIC CPU Silent Wave
Seit 1932 bezeichnet Nikon (damals noch „Nippon Kogaku K.K.“) seine Objektive als „Nikkore“. Inzwischen wurden mehr als 25 Millionen Nikkore weltweit verkauft. Die hochwertigen Glassorten, die in Nikon Objektiven verwendet werden, stammen fast ausschließlich aus eigener Produktion und garantieren eine hohe Abbildungsqualität.
Im folgenden finden Sie eine Übersicht der verschiedenen Objektivtypen, die seit 1959 am legendären Nikon F-Bajonett verwendet werden können. Dieses Bajonett findet — in seinen Funktionen erweitert — noch bis heute bei Nikon-Spiegelreflexkameras Verwendung, ob Kleinbild oder Digital. Ein aktuelles AF-Nikkor kann somit auch an einer Nikon F oder F2 verwendet werden.
Die älteste Form der Nikkore mit F-Bajonett lässt sich in drei Gruppen unterteilen. Bitte beachten Sie, dass die bei älteren Nikkoren in den Namensring eingravierten Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen nach dem Wort „Nikkor“ im Allgemeinen nicht den Objektivtyp wiedergeben, sondern die Anzahl der verbauten Linsen:
Typ A: Ursprünglicher Bajonetttyp; Objektive mit einfach vergüteten Linsen. Die Nikkore des Typs A sind einfach am chromfarbenen Filterring und dem Metallring für die Entfernungseinstellung zu erkennen. Auf den Blendenring war eine halbkreisförmige Mitnehmergabel geschraubt, über die die eingestellte Blende und die Objektivlichtstärke an Kameras mit Belichtungsmesser übertragen werden konnte.
Typ C: Entspricht im Objektivdesign dem Typ A, die verwendeten Linsen waren jedoch mehrschichtvergütet. Der Fokussierring war immer noch aus Metall, jedoch ist bei diesem Typ der Filterring schwarz.
Typ K: Entspricht dem Typ C, allerdings ist der Fokussierring mit einem Gummiring überzogen worden.
Je nach Kamera ist ggf. eine Modifikation (Umbau zum AI-Objektiv) notwendig, um ein Non-AI-Objektiv ansetzen zu können.
Um TTL-Messung und ggf. Zeitautomatik zu ermöglichen, muss das Objektiv in jedem Fall auf das AI-System umgerüstet werden. Bedingt durch das Alter der Objektive sind jedoch die Umbausätze oft nicht mehr in ausreichendem Maße verfügbar; Wenden Sie sich bei Fragen zur AI-Umrüstung bitte an die Nikon Servicestellen in Frankfurt oder Köln.
AI-Nikkore Aperture Indexing (Nikkor mit Blendenindizierung)
Bei den seit 1977 auch als „Typ N“ eingeführten AI-Nikkoren wurde die Blenden- und Lichtstärkenübertragung an die Kamera modifiziert. Die vorher hergestellten Non-AI-Nikkore übertrugen diese Daten noch über eine auf den Blendenring aufgeschraubte Mitnehmergabel an die Kamera. Diese Mitnehmergabel findet man zwar auch an AI- und AI-S-Nikkoren (sie war nur für Kameras vor 1977 notwendig), doch besaßen diese zusätzlich eine am Blendenring befindliche Steuerkurve, durch die der Kamera der Unterschied zwischen offener und eingestellter Blende (Arbeitsblende) mitgeteilt wurde. Zudem befand sich unter der Hinterlinse ein Steuernocken, durch den die Lichtstärke des Objektivs an die Kamera übertragen wurde.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal dieses Objektivtyps ist eine zweite, in den Blendenring klein eingeprägte Blendenskala, die für die Suchereinspiegelung der eingestellten Blende (ADR, Aperture Direct Readout) diente.
Eine Umrüstung von älteren Objektivtypen (Non-AI-Nikkore) war lange Zeit möglich, die Umrüstsätze sind allerdings heute nur noch eingeschränkt verfügbar.
AI-S-Nikkore Aperture Indexing S (moderner AI-Nikkor-Typ)
AI-S-Nikkore wurden 1982 auf den Markt gebracht und unterschieden sich von ihrem Vorgängertyp, den AI-Nikkoren durch eine lineare Blendensteuerung: Durch diese konnte die Kamera bei Blenden- oder Programmautomatik die Springblende im Objektiv präziser steuern als vorher. Damit die entsprechenden Kameramodelle ein AI-S-Nikkor von einem AI- oder älteren Nikkor unterscheiden konnten, befand sich in der Auflagefläche des Bajonettrings eine Vertiefung.
Zudem kann man AI-S-Nikkore an der orange eingefärbten kleinsten Blendenzahl auf dem Blendenring erkennen.
Dieser Objektivtyp ist technisch ein AI-S-Typ, der jedoch über keine Mitnehmergabel für die Blendenübertragung an Non-AI-Kameras mehr verfügte. Die E-Nikkore wurden zusammen mit der Nikon EM vorgestellt und stellten eine preiswerte Alternative zu den AI-S-Nikkoren dar.
AI-P-Nikkore Aperture Indexing P (AI-S-Nikkor mit eingebauter CPU)
Technisch entspricht dieser Objektivtyp dem AI-S-Typ, verfügt aber ebenso wie die AF-Nikkore über einen Mikroprozessor (CPU), der spezifische Informationen über das Objektiv an die Kamera überträgt. Eine automatische Scharfeinstellung ist jedoch nicht möglich.
Einziger Vertreter dieses Objektivtyps ist das 500mm/4 P IF-ED, welches die Matrixmessung an AF-Kameras erlaubt, ohne selbst AF-Funktionalität zu bieten.
AF-Nikkore Autofocus (Autofokus, automatische Scharfeinstellung)
Die 1986 zusammen mit der F-501 erstmals eingeführten Autofokusobjektive entsprechen von der mechanischen Datenübertragung her den AI-S-Nikkoren: Ein Anschluss an ältere Nikon Spiegelreflexkameras ohne Autofokus ist somit problemlos möglich. Da jedoch bei AF-Nikkoren die Mitnehmergabel für die Blendenübertragung an Non-AI-Kameras fehlt, muss diese ggf. nachträglich angebracht werden.
Das Besondere an den AF-Nikkoren ist, dass in Verbindung mit Autofokus-Kameras die Scharfeinstellung automatisch erfolgen kann. Ein Autofokus-Motor im Innern der Spiegelreflexkamera bewegt hierzu über eine mechanische Übertragung im Bajonett den Fokussierring des Objektivs. Eine manuelle Scharfeinstellung der AF-Nikkore ist selbstverständlich ebenfalls möglich.
Eine weitere Neuerung war die Verwendung von Mikroprozessoren (CPUs) im Objektiv, die über elektronische Kontakte am Bajonett spezifische Daten des Objektivs an die Kamera übertragen. Damit können Belichtungsmesssystem und Autofokussteuerung der Kamera eben diese objektivtypischen Daten in die Messung einbeziehen und noch präziser arbeiten. Diese eingebaute CPU ist somit auch Voraussetzung für die modernen Matrixmesssysteme und die matrixgesteuerten Blitz-TTL-Systeme in Nikon AF-Kameras. Neben den AF-Nikkoren (natürlich auch AF-D, AF-I und AF-S-Nikkore) ermöglicht dies nur das AI-P-Nikkor 500mm/4 P IF-ED.
(AF-)D-Nikkore (Autofocus with) Distance Information (Entfernungsinformation)
Zusätzlich zu den Informationen, die schon von den CPUs der einfachen AF-Nikkore an die Kamera übertragen werden, übermitteln D-Nikkore auch die Einstellentfernung. Diese Information ist beispielsweise Voraussetzung für das Nikon 3D-Multisensor-Aufhellblitzen, eine TTL-Blitzmessung, bei der aufgrund der eingestellten Motiventfernung die Blitzleistung gesteuert wird. Die Reaktionszeit des Autofokus ist bei AF-D-Nikkoren oft kürzer. Ebenfalls ist die Distanzinformation bei der Gewichtung der Messfelder bei Matrixmessung hilfreich.
Die aktuellen Nikon AF-Spiegelreflexkameras setzen den AF-D-Typ für die Funktion von Matrixmessung und Autofokus zwar nicht voraus, beide Systeme arbeiten aber präziser bzw. schneller mit diesem Objektivtyp. Fast alle AF-Nikkore im aktuellen Nikon-Programm sind D-Typen. Einzig das PC-Micro-Nikkor 85mm/2.8 D ist kein AF-Nikkor.
AF-G-Nikkore Autofokus-Nikkore ohne Blendenring
Dieser Objektivtyp ist für den Einsatz an den Nikon AF-Kameras F5, F100, F80, F65, F60, F50, F-401, Pronea S, Pronea 600i und D1/D1H/D1X am besten geeignet, da er über keinen Blendenring mehr verfügt und die Blendensteuerung daher über die Kamera erfolgen muss. Die genannten Kameras ermöglichen sowohl eine automatische wie auch eine manuelle Blendensteuerung des Objektivs von der Kamera aus.
An den Nikon Kameras F4, F90/F90X, F70, F-801/F-801S und F-601 können G-Nikkore ebenfalls verwendet werden, allerdings nur in den Betriebsarten P (Programmautomatik) und S (Blendenautomatik). An allen anderen Kameras ist die Benutzung von G-Nikkoren wegen der fehlenden Blendensteuerung nicht möglich.
Ansonsten verhalten sich AF-G-Nikkore wie AF-D-Nikkore. Sie stellen eine preiswerte Alternative zu den AF-D-Typen dar.
AF-I-Nikkore Autofocus with Integrated Motor (integrierter Autofokusantrieb)
Um bei lichtstarken Teleobjektiven mit teilweise schweren und weit vom Bajonett entfernt liegenden Fokussiergliedern einen schnellen Autofokusbetrieb zu ermöglichen, brachte Nikon ab 1994 vier AF-I-Nikkore mit eingebautem Fokussiermotor auf den Markt: 300mm/2.8 D AF-I, 400mm/2.8 D AF-I, 500mm/4 D AF-I und 600mm/4 D AF-I. Wie an den Bezeichnungen zu erkennen ist, waren diese hochwertigen und lichtstarken Teleobjektive gleichzeitig AF-D-Nikkore mit Übertragung der Einstellentfernung an die Kamera.
Der eingebaute Fokusmotor, der hier elektronisch von der Kamera gesteuert wird, ermöglicht eine wesentlich schnellere automatische Fokussierung an den hierfür geeigneten Kameras: Der AF-Betrieb ist möglich an Nikon F5, F4, F100, F90/F90X, F80, F70, F65, Pronea S, Pronea 600i und D1/D1H/D1X. Der manuelle Fokussierbetrieb ist weiterhin an allen Nikon Spiegelreflexkameras möglich.
Zur Brennweitenverlängerung von AF-I-Nikkoren können AF-I-Telekonverter verwendet werden.
Der modernste Typ von Nikkoren mit eingebautem Autofokus-Antrieb sind die AF-S-Nikkore:
AF-S-Nikkore Autofocus with Silent-Wave Motor (Autofokus mit integriertem Silent-Wave-Motor)
Seit 1996 stellt Nikon diese
modernste
Form
der AF-Nikkore mit eingebautem Fokussiermotor her. Im
Gegensatz zu ihrem Vorläufer, den AF-I-Nikkoren
zeichnen sich die AF-S-Nikkore durch die Verwendung von Silent-Wave-Motoren aus,
die extrem leise, schnell und präzise arbeiten. Bei diesen Motoren werden
Ultraschallschwingungen nahezu lautlos in eine Rotationsbewegung umgewandelt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass AF-S-Nikkore dem Fotografen ermöglichen, in den Autofokus-Vorgang durch Drehen des Fokussierrings einzugreifen und die Fokussierung manuell fortzusetzen (M/A-Betriebsart).
Analog zu den AF-I-Nikkoren muss die Kamera für die elektronische Steuerung des eingebauten Motors vorbereitet sein, was bei den folgenden Nikon AF-Kameras der Fall ist: Nikon F5, F4, F100, F90/F90X, F80, F70, F65, Pronea S, Pronea 600i und D1/D1H/D1X. Die manuelle Fokussierung bleibt an allen Nikon Spiegelreflexkameras möglich.
Zur Brennweitenverlängerung von AF-S-Nikkoren können AF-I-Telekonverter verwendet werden.
Diese Telekonverter — die einzigen Autofokus-Telekonverter im Nikon Produktsortiment — erlauben Ihnen, die Brennweite eines AF-I- oder AF-S-Nikkors bei Erhaltung der Autofokus-Funktionalität zu verlängern. Der AF-I-Telekonverter TC-14E verlängert die Brennweite um den Faktor 1,4, während der TC-20E die Brennweite verdoppelt.
Eine Verwendung von AF-I-Konvertern mit anderen als AF-I- bzw. AF-S-Nikkoren ist nicht möglich. Zudem ist eine Verwendung mit den AF-S-Nikkoren 17-35mm/2.8 D IF-ED und 28-70mm/2.8 D IF-ED weder sinnvoll noch möglich, da die Hinterlinse dieser Objektive bei bestimmten Brennweiteneinstellungen gegen die Frontlinse des Konverters stößt.
VR-Nikkore Vibration Reduction (Nikkore mit Verwacklungsreduzierung)
VR-Nikkore sind in der Lage, Bewegungen des Objektivs infolge von
Verwacklung zu erkennen und diese durch eine bewegliche Linsengruppe im Innern
des Objektivs zu kompensieren. Hierdurch lassen sich etwa bei ungünstigen
Lichtsituationen längere Verschlusszeiten wählen ohne eine Verwacklungsunschärfe
riskieren zu müssen. Nikon hat die mögliche Zeitverlängerung bei dem AF-VR
Zoom-Nikkor 80-400mm/4.5-5.6 D ED auf den 8fachen Wert getestet, also bis zu
drei Blendenstufen länger als ohne Verwendung von VR.
Der VR-Betrieb ist an folgenden Nikon AF-Kameras möglich: F5, F100, F80, F65 und D1/D1H/D1X.
DC-Nikkore Defocus Image Control (Nikkore mit gezielter Defokussierung)
In der Portraitfotografie entsteht oft der Wunsch, die Unschärfe im Bildvorder- oder Hintergrund noch zu verstärken, um das Hauptaugenmerk auf die dargestellte Person zu lenken. Nikon bedient sich bei den DC-Nikkoren eines — normalerweise unerwünschten — Abbildungsfehlers, der sphärischen Aberration, die hier gesteuert eingesetzt wird, um die Unschärfe von vor oder hinter dem Motiv liegenden Objekten zu verstärken. Gerne wird diese Funktion als „Weichzeichnereffekt“ bezeichnet, was allerdings irreführend und daher falsch ist, da lediglich die unscharfen Bildbereiche noch unschärfer dargestellt werden, nicht aber das in der Schärfeebene gelegene Hauptmotiv.
Sie können die beiden AF-DC-Nikkore 105mm/2 D und 135mm/2 D jedoch auch ohne diesem Effekt als „normale“ Portrait-Teleobjektive einsetzen.
Weitere Informationen zur Anwendung der DC-Nikkore finden Sie in einem eigenen Dokument auf dieser Website.
Micro-Nikkore Nikkore mit hohem Abbildungsmaßstab, kleiner Naheinstellgrenze
Hochwertige Nahaufnahmen mit hohem Abbildungsmaßstab erfordern spezielle Objektive. Die Micro-Nikkore zeichnen sich durch gemessen an ihrer Brennweite sehr kurze Mindestaufnahmedistanzen aus. Um den veränderten optischen Gegebenheiten bei kurzen Aufnahmedistanzen und hohen Abbildungsmaßstäben (wie z.B. der Bildfeldwölbung) gerecht zu werden, sind diese Nikkore speziell für den Nahbereich berechnet und garantieren damit über den gesamten Blendenbereich eine scharfe und kontrastreiche Abbildung. Um eine größtmögliche Schärfentiefe zu gewährleisten sind Micro-Nikkore bis Blende 32 abblendbar (das PC-Micro-Nikkor 85mm/2.8 D sogar bis 45).
Alle Micro-Nikkore verfügen über die CRC-Nahbereichskorrektur, die eine hohe Abbildungsleistung garantiert.
PC-Nikkore Perspective Control (Nikkore mit Dezentrierung/„Shift“)
Besonders bei der Architekturfotografie ist die Dezentrierung des Aufnahmeobjektivs oft gewünscht, um beispielsweise hohe Gebäude ohne „stürzende Linien“, d.h. mit jeweils parallelen Senkrechten darzustellen. In der Großformatfotografie können Film- und Objektivstandarte gegeneinander parallel verschwenkt werden, um diese Beeinflussung der Perspektive zu erreichen.
In der Kleinbildfotografie ist dies zwar üblicherweise nicht möglich, die PC-Nikkore jedoch ermöglichen eine Dezentrierung in jede beliebige Richtung. Das PC-Nikkor 28mm/3.5 beispielsweise ermöglicht eine Dezentrierung um bis zu 11mm.
Mit dem PC-Micro-Nikkor 85mm/2.8 D ist Nikon noch einen Schritt weiter gegangen: Neben einer möglichen Dezentrierung um bis zu 12,4mm bietet dieses Objektiv auch eine Verschwenkung um bis zu 8,3°. Mittels dieser Verschwenkung wird auch die Schärfeebene aus der zur optischen Achse senkrechten Ebene geneigt, was z.B. in der Produktfotografie oft von Nutzen ist.
Bei PC-Nikkoren ist zu beachten, dass die Belichtungsmessung stets im unverstellten Zustand erfolgen muss, da anderenfalls mit falschen Belichtungsmesswerten zu rechnen ist. Eine automatische Scharfeinstellung ist mit diesen Nikkoren nicht möglich.
Reflex-Nikkore Spiegelteleobjektive mit extrem kurzer Baulänge
Teleobjektive mit Glaslinsen haben bei großer Brennweite eine entsprechende Baulänge (nicht weniger als ca. 60% der Brennweite) und daher auch ein zuweilen unangenehmes Eigengewicht. Eine Alternative hierzu stellen die Reflex-Nikkore dar, die dank der Verwendung von zwei präzise geschliffenen Spiegeln den Strahlengang im Objektiv zwei mal „falten“, d.h. reflektieren. Hierdurch lässt sich eine Verkürzung der Baulänge auf unter 25% der Brennweite erreichen und damit auch eine Verringerung des Gewichts.
Nachteilig ist allein, dass sich bei dieser Bauform keine körperliche Blende im Strahlengang unterbringen lässt, sodass Reflex-Nikkore mit einer festen Blende arbeiten. Eine Belichtungssteuerung erfolgt hier also nur durch die Verschlusszeit und ggf. über ND-Filter (Graufilter), die das einfallende Licht reduzieren.
Ein weiterer Vorteil neben dem geringen Gewicht und der kurzen Bauform ist, dass Spiegel im Gegensatz zu Linsen keine Farbfehler (Chromatische Aberration) aufweisen und daher der Einsatz von ED-Gläsern hier nicht notwendig ist.
Im aktuellen Nikon Objektivprogramm finden Sie zwei Reflex-Nikkore, das 500mm/8 (840g bei 109mm Länge) und das 1000mm/11 (1900g bei 234mm), beide sind AI-Nikkore.
ED Extra low Dispersion (niedrige Dispersion)
Dispersion ist eine Eigenschaft
von
lichtbrechenden
Linsen, die die so genannte Chromatische Aberration (Farbfehler) zur Folge hat.
Dabei werden unterschiedliche Wellenlängen des sichtbaren Lichts
unterschiedlich stark gebrochen. Fällt nun weißes Licht (welches Lichtstrahlen
aller Wellenlängen enthält) durch ein chromatisch unkorrigiertes Objektiv oder
eine Linse, so treffen sich die einzelnen Lichtstrahlen unterschiedlicher
Wellenlänge nicht in einem Punkt, sondern auf einem größeren Bereich entlang
der optischen Achse (siehe Abbildung). Die Folge für eine fotografische
Abbildung sind farbige Säume um helle oder dunkle Objekte.
Dieses Problem, welches hauptsächlich bei langen Brennweiten auftritt, kann durch Verwendung spezieller Glasorten korrigiert werden. Diese speziellen Glassorten tragen bei Nikon die Bezeichnung ED-Glas. Hierbei genügt je nach Objektivtyp oft die Verwendung von einer bis drei ED-Linsen, um die Auswirkungen der Dispersion zu kompensieren.
ASP Aspherical (asphärischer Linsenschliff)
Die
Verwendung von asphärisch geschliffenen Linsen erlaubt eine
Korrektur einiger Abbildungsfehler, die besonders bei der Verwendung von
hochgeöffneten Objektiven entstehen. Die besonders bei Weitwinkelobjektiven
auftretende Verzeichnung (ein kissen- oder tonnenförmige Verzerrung am
Bildrand) kann durch Verwendung von asphärischen Linsen minimiert werden.
Die spezielle Form von Asphären (siehe Abbildung) erlaubt höhere Abbildungsleistungen und die Konstruktion kleinerer Objektive, stellt allerdings höchste Ansprüche bei der Produktion. Nikon setzt drei verschiedene Arten von Asphären in seinen Objektiven ein:
Geschliffene Glasasphären — herstellungstechnisch am aufwendigsten
Asphärische Verbundlinsen — hierbei wird ein bestehender Glaslinsenkörper mit einer Kunststoffschicht mit gleicher Brechkraft versehen
Gepresste Asphären — in Metallformen gepresste Glaskörper.
IF Inner Focusing (Innenfokussierung)

Beim Fokussieren eines Objektivs wird normalerweise der gesamte Linsentubus mithilfe eines Schneckengangs bewegt. Bei schweren Tele- oder Zoomobjektiven ist diese Art der Scharfeinstellung ein mechanisches Problem, da recht große Massen präzise und leichtgängig bewegt werden sollen. Bei Autofokusobjektiven kommt hinzu, dass der Fokussiermotor mit „schweren“ Objektiven langsamer und träger läuft und noch dazu mehr Strom verbraucht.
Bei Objektiven mit Innenfokussierung erfolgt die Fokussierung durch Bewegung einer kleinen Linsengruppe im Innern der Fassung, während alle anderen Linsen unbewegt bleiben (siehe Abbildung). Damit ist der mechanische Aufwand bei der Fokussierung kleiner, der Autofokus wird schneller, außerdem erfolgt keine Verlagerung des Schwerpunktes durch die Fokussierung.
Ein Sonderfall der Innenfokussierung ist die Hintergliedfokussierung.
RF Rear Focusing (Hintergliedfokussierung)

Ähnlich wie bei innenfokussierten Nikkoren wird auch bei der Hintergliedfokussierung nicht der gesamte Objektivtubus verschoben, sondern nur eine kleinere Linsengruppe. Diese liegt jedoch bei RF-Nikkoren im hinteren (kameranahen) Teil des Objektivs (siehe Abbildung).
Die Folge ist eine noch schnellere Autofokus-Funktion dieser Objektive, da der Kraftübertragungsweg von der Kamera zur fokussierten Linsengruppe noch kleiner ist.
CRC Close Range Correction (Automatische Nahbereichskorrektur)
Um
auch im Nahbereich eine hohe Abbildungsleistung gewährleisten zu können setzt
Nikon hauptsächlich bei Weitwinkelobjektiven und Micro-Nikkoren
die automatische Nahbereichskorrektur mit sogenannten „Floating Elements“
ein: Hierbei werden während der Fokussierung bestimmte Linsengruppen entlang
der optischen Achse gegeneinander bewegt (siehe Abbildung). Hierdurch lässt
sich neben der Erhaltung der Abbildungsleistung im Nahbereich auch eine kürzere
Naheinstellgrenze erreichen.
NIC Nikon Integrated Coating (Mehrschichtenvergütung)
Seit den C-Typ-Nikkoren setzte Nikon bei der Herstellung seiner Objektive eine Mehrschichtenvergütung ein. Hierbei werden mehrere, aufeinander abgestimmte Metalloxid-Schichten auf die Linsenoberflächen aufgedampft. Sie bewirken eine höhere Transmission (Lichtdurchlässigkeit) der Linsen und minimieren Reflexe und Streulicht. Während ein unvergütetes Glas bis zu 4% des einfallenden Lichts reflektiert und ein einfach vergütetes Glas immer noch ca. 2%, liegt die Reflexion bei mehrfach vergüteten Gläsern nur noch bei etwa 0,2%.
SIC Super Integrated Coating
Das heute bei Nikkoren übliche SIC wirkt auf einen noch größeren Wellenlängenbereich als das Nikon Integrated Coating (NIC) und ist noch feiner auf die Besonderheiten des jeweiligen Objektivs abgestimmt, sodass z.B. auch eine einheitliche Farbwiedergabe aller SIC-vergüteten Nikkore ermöglicht wird.
CPU Central Processing Unit (eingebauter Mikroprozessor)
Im Zusammenhang mit Nikon Matrixmesssystemen und bestimmten Nikon TTL-Blitzmesssystemen ist manchmal die Rede von CPU-Nikkoren oder Nikkoren mit eingebauter CPU. Diese im Objektiv eingebauten Mikroprozessoren werden durch das Ansetzen des Objektivs an das mit entsprechenden Kontakten ausgerüstete Kameragehäuse mit dem Kameracomputer verbunden und teilen diesem objektivspezifische Daten mit, die dann in die Belichtungsmessungen einfließen. Je nach Objektivtyp sind dies z.B. Brennweite, Grundlichtstärke und ggf. die eingestellte Entfernung.
Grundsätzlich verfügen sämtliche AF-Nikkore (AF-D, AF-I und AF-S-Nikkore eingeschlossen) über eine eigene CPU. Einziger „Exot“ ist das AI-P-Nikkor 500mm/4 P IF-ED, welches ebenfalls eine CPU besitzt, aber keine automatische Scharfeinstellung ermöglicht.
Silent Wave Autofokusantrieb, siehe AF-S-Nikkore